Die BaFin hat während der Corona-Krise operative Erleichterungen für Banken und Finanzdienstleister eingeführt, um deren Funktionsfähigkeit zu unterstützen und das Übergreifen der Krise auf die Finanzbranche zu minimieren. Trotz der aktuellen Herausforderungen betont die BaFin, dass eine Rückkehr zu regulären Bedingungen nach der Krise schrittweise erfolgen wird, ohne dass eine Deregulierung zu erwarten ist.
Felix Hufeld absolviert die Finanzaufsicht in diesen Tagen oft von zu Hause aus – auch am Wochenende. Wegen der Corona-Pandemie sieht er seine Büros in Bonn und Frankfurt dennoch häufiger als sonst, denn Dienstreisen sind gestrichen. Auch der Großteil seiner rund 2.700 Finanzaufseher erledigt die Dienstgeschäfte inzwischen in Heimarbeit. Das BaFinJournal erreicht Hufeld telefonisch daheim in seinem Arbeitszimmer im Hochtaunus. Von dort aus versucht er, die Auswirkungen der Corona-Krise für die Finanzbranche, so gut es geht, zu begrenzen. Wichtiger Teil seiner Strategie: eine offene Kommunikation. Ja. Ich bin optimistisch, dass Banken diese Herkulesaufgabe bewältigen. Anders als in der Finanzkrise im Jahr 2008 sind Banken diesmal nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Die Institute müssen derzeit unter extrem problematischen Bedingungen ihre Grundfunktion erfüllen: Unternehmen und Privatpersonen mit Kredit und Liquidität versorgen. Nur so lässt sich die Funktionsfähigkeit der Realwirtschaft grundsätzlich aufrechthalten. Der Ausgangspunkt der Corona-Krise ist keine Finanzkrise, sondern ein riesiger exogener Schock für die gesamte Wirtschaft. In diesem Stadium der Krise liegt unsere zentrale Herausforderung darin, ein Übergreifen auf die Finanzbranche zu minimieren. Wir als BaFin sprechen wie sonst auch jeden Tag mit vielen Bankern und Branchenvertretern. Auf Grundlage von weltweiten Finanzmarktdaten und wichtigen Kennzahlen der Institute bewerten wir die Covid-19-Lage ständig neu. Dazu stimmen wir uns intensiv mit nationalen, europäischen und internationalen Kollegen ab. In der Corona-Krise haben wir eine Vielzahl an operativen Erleichterungen ausgesprochen, um Banken und weiteren Finanzdienstleistern mehr Freiräume zu schaffen. Wir gehen auch als Finanzaufsicht damit an die Grenzen dessen, was wir für vertretbar halten. Aber wir tun es. In der Krise kommt es vor allem auch auf eine offene Kommunikation an. Ein Beispiel ist unser Frage-Antwort-Katalog speziell zu Covid-19, den wir auf unserer Homepage ständig aktualisieren. Gerade arbeiten wir noch alle mit vereinten Kräften am akuten Krisenmanagement. Alles Weitere kommt dann später. Aber: Nachdem die Hochphase der Krise überwunden ist, werden wir schrittweise wieder in den Normalzustand zurückkehren. Wer auf eine Deregulierung hofft, wird enttäuscht werden. Dieses massive Hilfsprogramm schließt für den heimischen Mittelstand eine wichtige Lücke. Gerade diese kleinen und mittleren Unternehmen bis knapp unter 250 Mitarbeiter sind als wichtiger Arbeitgeber stark mit ihrer Region verbunden und haben oft die örtlichen Sparkassen oder Volksbanken zur Hausbank. Einzelne Institute könnte das Zusammentreffen verschiedener Faktoren in der Krise dennoch besonders belasten: eine regionale Positionierung zum Beispiel oder eine Exponiertheit im Kreditgeschäft für ganz bestimmte Teilbranchen. Wie die Vielzahl dieser unterschiedlichen Einflussfaktoren im Einzelfall wirken, werden wir in der kommenden Zeit erst nach und nach sehen. Nein, dieser Eindruck ist falsch. Wenn ein Institut Kreditrisiken eingeht, muss es auch ein Mindestmaß an Prüfung vornehmen. Niemand, auch nicht die Politik, erwartet, dass die Banken nun überhaupt nicht mehr hingucken. Ansonsten wäre nach dem Belastungstest der Realwirtschaft die nächste Banken- und Finanzkrise todsicher programmiert. Daran hat wirklich niemand ein Interesse. Für Lebensversicherer ist die Lage zwar ernst, weil sie auch von Kapitalerträgen leben, aber nicht existenzbedrohend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderabfrage der BaFin -Versicherungsaufsicht unter ausgewählten Assekuranzen. Die Solvenzquote, der Indikator für die Krisenfestigkeit in der Branche, sinkt zwar bei mehreren Versicherern, führt aber bei keinem zur Unterdeckung. Vor allem das EU -Aufsichtsregime Solvency II bietet Flexibilität. Um sich durch die Krise zu manövrieren, ist das Gold wert. Ob Investmentfonds, Pensionskassen oder Versicherer – auf alle Finanzdienstleister, deren Geschäftsmodelle stark vom Management von Kapitalanlagen abhängen, also vom Kapitalertrag leben, hat die Corona-Krise kurzfristig eher im Bereich des Liquiditätsmanagements Einfluss. Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen lassen sich jetzt noch nicht seriös abschätzen. Wir als BaFin beobachten die Lage genau. Erst der weitere Krisenverlauf zeigt uns: Verfestigen sich die Verwerfungen, die wir momentan auf der Assetseite sehen, oder nicht? Wie schnell erholen sich die Aktienwerte? Oder stabilisieren sich die Anleihemärkte? Handelt es sich um kurzfristige Volatilitäten, haben wir auf regulatorischer Seite hinreichend Instrumente, damit umzugehen. Die Auswirkungen wären begrenzt. Wenn sich die Schwankungen mittel- und langfristig jedoch verfestigen sollten, hat das natürlich größeren Einfluss auf die Kapitalseite. Wir werden viele Belastungen und Risiken für die Finanzindustrie erst nach und nach in Wellen in vollem Umfang sehen. Aber ich sehe eine starke Chance, dass wir eine systemische Krise gar nicht erst aufkommen lassen. Die Fragen stellte Annkathrin Frind,BaFin, Gruppe Kommunikation.