Die BaFin berichtet, dass die europäische Versicherungsbranche insgesamt robust ist, jedoch die Stressszenarien eines Zinsrückgangs und Zinsanstiegs zu einem signifikanten Rückgang der Eigenmittelbedeckung der regulatorischen Kapitalanforderungen führen könnten, was jedoch verkraftbar ist. Der EIOPA-Stresstest 2018, an dem auch deutsche Versicherungsgruppen teilnahmen, identifizierte Risiken, ohne zusätzliche Eigenmittelanforderungen zu generieren, und zeigte, dass deutsche Versicherer, trotz Herausforderungen durch die Niedrigzinsphase, insgesamt krisenfest sind.
Bei einer Realisierung der Stressszenarien wäre die europäische Versicherungsbranche ganzheitlich betrachtet robust aufgestellt. Allerdings führen die beiden Szenarien eines Zinsrückgangs mit langfristigem Niedrigzinsumfeld und eines Zinsanstiegs mit Kapitalmarktverwerfungen jeweils zu einem deutlichen Rückgang bei der Bedeckung der regulatorischen Kapitalanforderungen mit Eigenmitteln. Dieser wäre jedoch verkraftbar. Hierbei zeigen auch die Maßnahmen für langfristige Garantien (Long Term Guarantees – LTG ), dass sie die beabsichtigte antizyklische Wirkung entfalten. Auch die teilnehmenden deutschen Gruppen zeigten sich insgesamt krisenfest. Es wurde jedoch deutlich, dass eine anhaltende Niedrigzinsphase gerade für die deutschen Teilnehmer eine Herausforderung bleibt. In den EIOPA -Stresstest 2018 waren 42 große europäische Versicherungsgruppen einbezogen. Aus Deutschland nahmen Allianz SE , Munich Re, HDI V.a.G. , R+V Versicherung und die HUK-COBURG Versicherungsgruppe teil. Ziel des Stresstests war es, mögliche Risiken für die Versicherungsbranche, die aus adversen Entwicklungen resultieren könnten, zu identifizieren und einzuschätzen. Dabei ging es nicht um ein Bestehen oder Nichtbestehen des Tests. Oder wie es EIOPA ausdrückt: „It is not a pass-or-fail exercise“. Auch führen die Ergebnisse nicht zu zusätzlichen regulatorischen Eigenmittelanforderungen. Der Stresstest fand auf Basis des Solvency-II -Bewertungsstandards zum Bewertungsstichtag 31. Dezember 2017 statt. Er umfasste drei Stressszenarien: Zur Beurteilung der Stressauswirkung gab EIOPA den teilnehmenden Versicherungsgruppen erstmals auch die Neuberechnung der Solvenzkapitalanforderungen ( SCR ) vor (siehe BaFinJournal Juli 2018). HerrDr.Grund, wie beurteilen Sie die Ergebnisse des aktuellen Stresstests großer europäischer Versicherungsgruppen? Die Resultate decken sich mit unseren Erkenntnissen aus der laufenden Aufsicht. Erwartungsgemäß reagieren die Versicherungsunternehmen sensibel auf deutliche Änderungen an den Kapitalmärkten und ein verändertes Zinsumfeld. Was gibt es speziell aus deutscher Sicht zu sagen? Aufgrund ihrer langfristigen Verpflichtungen sind einige deutsche Unternehmen von der Niedrigzinsphase besonders betroffen – im Stresstest, aber auch in der Realität. Beispielsweise haben deutsche Lebensversicherer in der Vergangenheit teils hohe Verzinsungen garantiert, die sich heute nicht mehr ohne weiteres am Kapitalmarkt erwirtschaften lassen. Trotzdem haben sich die deutschen Versicherungsgruppen im Stresstest unter dem Strich als widerstandsfähig erwiesen. Lässt denn derEIOPA-Stresstest Rückschlüsse auf die Lebensversicherungsbranche zu? Im Gegensatz zum EIOPA -Stresstest 2016 wurden diesmal nicht die größten Lebensversicherer, sondern große Versicherungsgruppen getestet. Rückschlüsse auf die deutsche Lebensversicherungsbranche lässt der Stresstest daher nicht zu. Hierfür bedienen wir uns anderer Instrumente, insbesondere der jährlichen Prognoserechnung. Der Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im BaFinJournal wieder und wird nicht nachträglich aktualisiert. Bitte beachten Sie die Allgemeinen Nutzungsbedingungen.